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10.11.2021

Urgeschichtliche Besiedlungsspuren gefunden

Ralf Mahytka, Archäologe bei der Landesgartenschau in Höxter, sichert die Spuren urzeitlicher Besiedlung am Weserufer, die bei den Bauarbeiten aufgetaucht waren. Bei den dunklen Verfärbungen handelt es sich um Pfostengruben und Lehmentnahmegruben. Das deutet auf ein Wohnhaus hin, das dort vor mehr als 2.000 Jahren gestanden hat. Ralf Mahytka, Archäologe bei der Landesgartenschau in Höxter, sichert die Spuren urzeitlicher Besiedlung am Weserufer, die bei den Bauarbeiten aufgetaucht waren. Bei den dunklen Verfärbungen handelt es sich um Pfostengruben und Lehmentnahmegruben. Das deutet auf ein Wohnhaus hin, das dort vor mehr als 2.000 Jahren gestanden hat. LGS 2023 Höxter/Maike Koegel

Bei den Bauarbeiten für die Landesgartenschau sind am Weserufer Spuren einer urgeschichtlichen Besiedlung im Bereich der Landschaftsscholle aufgetaucht. Optisch waren es zunächst nur dunkle Verfärbungen im Erdreich. „Es handelt sich um drei Pfostengruben und mehrere Lehmentnahmegruben. Da hat also mal ein Wohnhaus oder ein Nebengebäude gestanden“, erläutert LGS-Archäologe Ralf Mahytka, der die Bauarbeiten begleitet. Er schätzt, dass die Befunde aus vorchristlicher Zeit stammen und damit mehr als 2000 Jahre alt sind. Die genaue Datierung steht noch aus.

Die Bauarbeiten für die Landesgartenschau erfolgen eben in einem sehr geschichtsträchtigen Terrain, deswegen müssen alle Beteiligten sensibel vorgehen. Genau das ist jetzt geschehen: Ralf Mahytka hat die Befunde im Bereich des alten Bahnhofs gesichert und dokumentiert, damit anschließend die Bauarbeiten weitergehen können. „Dort auf der Anhöhe direkt an der Weser haben vor mehr als 2.000 Jahren also Menschen gewohnt – sicher vor Hochwasser und in der Nähe des Flusses, der Fische und reichlich Wasser bot“, sagt der Archäologe.

Auch in vorchristlicher Zeit sei das vermutlich eine super Wohnlage gewesen. „Ein idealer Siedlungsplatz.“ Er erklärt die dunklen Verfärbungen so: „Man hat dort ein Loch gegraben, um zum Beispiel Lehm zum Bauen zu gewinnen und es anschließend mit Müll gefüllt.“ Sprich: Die Bewohner des Hauses haben dort beispielsweise Essensreste oder Abfälle hineingeworfen, die beim Verrotten zu braunem Humus wurden. „Ich habe auch eine Handvoll Scherben gefunden“, so der LGS-Fachmann weiter. Eigentlich sei im Bereich der Landschaftsscholle gar nicht mit archäologischen Befunden gerechnet worden. „Das ist eine der unverdächtigsten Stellen.“

Ralf Mahytka hat die Stellen„feingeputzt“, wie der Fachmann sagt: „Ich habe sie krümelfrei gemacht, fotografiert, beschrieben, digital eingemessen und die Keramik entnommen.“ Die Befunde werden wieder zugeschüttet, bleiben also im Boden. „Dort sind sie am besten geschützt“, sagt Mahytka. Eine archäologische Grabung sei deshalb nicht notwendig. Die Bauarbeiten für die Landesgartenschau werden fortgesetzt. Sie gehen nicht so tief ins Erdreich, dass sie die urzeitlichen Siedlungsreste gefährden könnten.