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02.06.2020

BürgerInnen in Stahle verwandeln Kreisel in Staudenbeet

Claudia Koch (Landesgartenschau-Geschäftsführerin, v.l.n.r.) freut sich über das Engagement der Anwohner Ingo Eberwien, Jan Pollmann, Mika Germer (vorne), Eberhard Hage, Florian Küster, Jette Germer, Annette Germer und Stefanus Remmert. Claudia Koch (Landesgartenschau-Geschäftsführerin, v.l.n.r.) freut sich über das Engagement der Anwohner Ingo Eberwien, Jan Pollmann, Mika Germer (vorne), Eberhard Hage, Florian Küster, Jette Germer, Annette Germer und Stefanus Remmert. © Landesgartenschau Höxter 2023 gGmbH

Bis vor kurzem wuchs auf der Verkehrsinsel in der Marienstraße in Stahle nur Gras – dank engagierter AnwohnerInnen blüht dort bald ein Staudenbeet. In Zusammenarbeit mit dem Leiter der Stadtgärtnerei Ralf Haffke und dem Bauhof der Stadt Höxter haben AnwohnerInnen die Fläche neu gestaltet.

„Der Kreisel war uns schon lange ein Dorn im Auge“, sagt Anwohner Jan Pollmann. Beim alljährlich stattfindenden Straßenfest kam den Bewohnern der Marienstraße Eberhard Hage, Fabian Küster, Sören Germer, Markus Weißbrodt und Jan Pollmann die Idee, mit dem übriggebliebenen Geld den Kreisel zu verschönern. „Wir wollten das Geld so investieren, dass alle etwas davon haben“, sagt Pollmann. „Beim Landesgartenschau-Infomarkt in Stahle im November 2019 entstand der Kontakt zum Leiter der Stadtgärtnerei Ralf Haffke. Ihm haben wir von der Idee erzählt und mit ihm die weitere Vorgehensweise abgestimmt.“

Gemeinsam mit Ralf Haffke planten die AnwohnerInnen ein insektenfreundliches Staudenbeet bestehend unter anderem aus Taglilien, Flammenblumen, Purpur-Sonnenhut und Storchschnabel. Nachdem der Bauhof das Gras abgetragen, ein geeignetes Pflanzsubstrat eingebracht und drei Findlinge auf dem Kreisel platziert hatte, bepflanzten die AnwohnerInnen und Haffke zusammen die Wiese. Als letzten Schritt wird Malermeister Schmidt aus Stahle den verrosteten Laternenpfahl auf dem Kreisel streichen.

Ralf Haffke, der viel Arbeit in die Planung des Kreisels steckte, ist begeistert vom Engagement der AnwohnerInnen. „Bei der Bepflanzung haben sich viele Anwohnerinnen und Anwohner der Marienstraße beteiligt. Auch die Kinder haben fleißig mitgeholfen und Unkraut gezupft“, sagt Haffke. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen!“ In wenigen Wochen werden die Stauden anfangen zu blühen. In Zukunft werden sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Marienstraße um das Beet kümmern. 

„Wir freuen uns total, wenn Höxteranerinnen und Höxteraner mit solchen Ideen auf uns zukommen“, sagt Landesgartenschau-Geschäftsführerin Claudia Koch. „Solche Aktionen verschönern nicht nur unsere Region, sondern stärken auch die Gemeinschaft. Außerdem geben sie ein tolles Bild nach außen – nicht nur für die Landesgartenschau. Vielleicht sind die Anwohnerinnen und Anwohner der Marienstraße mit ihrer Aktion sogar ein Vorbild für andere Höxteranerinnen und Höxteraner, die ihre Heimat gerne verschönern möchten.“



Info zu Staudenbeeten vom Leiter der Stadtgärtnerei Ralf Haffke:

Ein Großteil unserer Fauna unterteilt sich in Stauden und Gehölze. Gehölze sind, wie der Name schon erahnen lässt, Pflanzen, die Holz bilden, diese „verholzen“, wie der Fachmann sagt. Dazu gehören Bäume und Sträucher unterschiedlichster Größen. Dem stehen die krautigen Stauden gegenüber, deren oberirdischer Teil über die Wintermonate meist abstirbt, um sich im Frühjahr aus den Wurzeln zu erneuern.

Während die Gehölze in vielen Jahren stetig weiterwachsen, an meist doch sehr begrenzten Standorten, oft geschnitten und in Form gebracht werden müssen, bleiben Stauden, auch weil sie sich jährlich neu entwickeln, in ihren Größenstrukturen überschaubarer. Blüten, Blattformen und -farben, hoch und niedrig bleibend, sind Stauden in ihrer Vielfalt nahezu unübertroffen.

Diese Vorteile eines schönen Beetes muss man sich natürlich auch erarbeiten. So sollte die Anpflanzung gut geplant, das fertige Produkt fachlich gepflegt und auch nach der vollständigen Entwicklung immer wieder mal ergänzt oder auch selektiert werden. Das, was sich da vielleicht zu breit gemacht hat und anderes überwuchert, muss auch schon einmal entfernt werden, auch wenn es so schön blüht. Denn auch die Stauden können nicht wissen, was wir uns wünschen, und machen „natürlich“ das, was sie wollen.

Im günstigsten Fall gehen unsere Ideen mit dem Können der Stauden einher. Trotzdem klappt es dann vielleicht doch nicht so ganz – so sind halt die Regeln der Natur oft anders als die unsrigen. Daher bleibt immer ein wachendes Auge über das Beet erste Priorität für das Gelingen der Anlage.

Dann aber macht es viel Freude, erfreut zudem unsere Insekten und Vogelwelt und bietet auch in den abgestorbenen Pflanzenteilen im Winter so manchem Krabbeltier eine willkommene Herberge über die kalte Jahreszeit. Daher sollte man im Herbst nicht zwingend, dem Reinlichkeitsgedanken folgend, immer alles abräumen, denn im Frühjahr vor dem Austrieb ist es für das „Reinemachen“ allemal noch früh genug.

Staudenbeete sind kein Hexenwerk, doch es gehört schon ein Interesse an den Pflanzen dazu, sich mit Standortansprüchen, ob Sonne oder Schatten, feucht oder trocken, hoch oder niedrig, viele oder lieber wenige Nährstoffe, stark- oder schwachwachsend zu beschäftigen, um am Ende wirklich Freude daran zu haben.